Abiturfeier 2010

Schülerrede

Sarah Münchrath, 19.06.10

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, liebe Lehrer, liebe Eltern, sehr geehrte Damen und Herren,

Sarah: Drei Jahre sind nun vorbei. Das heißt 36 Monate, 144 Wochen aber gleichzeitig auch über tausend Tage und da wir ja alle wissen, dass der Tag 24 Stunden hat und danach noch die Nacht kommt, waren es vielleicht auch gefühlte 2000 Tage.

Minuten, Stunden, Tage und Wochen, in denen nicht nur die Schüler den Lehrern einiges abverlangten, sondern auch die Lehrer die Schüler zu Höchstleistungen animierten.

Zunächst tasteten sich die BWL-Lehrer an die Frustrationsgrenze ihrer Schützlinge heran, indem sie uns mit Buchungssätzen konfrontierten.

Rieke: Richtig, Sarah. Haben an Soll oder wie war das nochmal??

Trotzdem ist nicht zu vergessen, dass auch wir Schüler die Nerven unserer Klassenlehrer durch zahlreiche Abstimmungsversuche, die Betonung liegt hier jedoch auf Versuch, immer wieder strapazierten. Wochenlange, zeitintensive Diskussionen mündeten schließlich in dem Reiseziel Barcelona. Im April landeten 2 von 4 Klassen nach einem angenehmen Flug im sonnigen Süden. Dieser blieb uns, und besonders Herrn Dörr, wegen der berühmten Stewardess mit den roten Lederhandschuhen in Erinnerung.

Vermehrte Tagesausflüge und Bonusinformation durch Referate einiger Mitschüler brachten uns Wirtschaft und Kultur der spanischen Metropole näher.

Die anderen beiden Klassen erlebten ihre Klassenfahrt an gleicher Stelle bei noch mehr Sonne einen Monat später.

Sarah: Anfang Juni 2008 wieder vollständig in der Schule versammelt, konnten wir unser zweiwöchiges Praktikum in verschiedensten Wirtschaftsbetrieben rund um die Kreisstadt antreten. Das Ende des Praktikums läutete gleichzeitig auch das Ende der Orientierungsphase ein.

Frisch gebräunt konnten Mitte August alle Jäger und Sammler ihr Punktekonto füllen.

In den nach knappen Wahlen entstandenen sechs Leistungskursen, die wiedermal von unserer Abstimmungskultur zeugten, widmeten wir uns unseren Passionsfächern, wenn wir denn den Raum und die passende Kursschiene fanden.

Die Leistungskursorientierung brachte eine frische Brise in die Stufe und die jeweilige Lernmotivation.

So gelang es unseren Wirtschaftslehrkörpern durch praktisch orientierte Themenblöcke das Ruder herumzureißen und den Elan der Schüler neu zu wecken.

Rieke: Mehr und mehr fühlten wir uns in unserer Entscheidung für das Wirtschaftsgymnasium bestärkt. Das Kommunikationsseminar, unterschiedliche Berufsorientierungsphasen und schließlich auch der Tag „Berufe im Brennpunkt“ eröffneten uns neue Möglichkeiten und Chancen in der Berufswelt Fuß zu fassen. Sie zeigten uns auch, dass wir durch den unternehmensnahen Unterricht bereits viele praktische und wertvolle Erfahrungen sammeln konnten.

Komplexe und wirtschaftliche Zusammenhänge darzustellen und zu analysieren, fiel uns mit der Zeit immer leichter, wovon auch unsere sozialen Kompetenzen profitierten.

In der 12 wurde schließlich auch unser Durchhaltevermögen maximiert, denn die Klausuren wurden immer länger, anspruchsvoller aber auch melodischer. Das Baustellen-Orchester auf dem Dach und an den Fenstern untermalte Klausuren und Unterricht gleichermaßen.

Ich könnte an dieser Stelle das Ende der 12 mit einem Bericht über die LK-Fahrten abrunden. Jedoch war das Ziel meines Leistungskurses nicht die Bakerstreet und auch nicht die Oxford-Avenue, sondern die Hochstraße 1-7.

Deshalb übergebe ich damit lieber an Sarah.

Sarah: Der Rest der Stufe hatte also das Vergnügung Deutschland mit dem Flieger oder mit der Fähre zu verlassen. Der Englisch LK stattete London einen Besuch ab und die Mathe LKler fuhren nach Oxford.

Stadtbesichtigungen, Mini-Werke, Gondel fahren und die für England typischen Pubs bescherten uns eine ereignisreiche, lustige und gut organisierte Kursfahrt. So hoffen wir heute, dass Herr Gemmel und Herr Wüst endlich die Regelkünste unserer Kartenspiele beherrschen.

Natürlich haben wir Wirtschaftsfuzzies Ende der 12 bereits begriffen, dass es notwendig ist, frühzeitig Rückstellungen für zukünftige Investitionen zu bilden.

Kurz vor den Sommerferien 2009 wurden die Waffelverkaufsphasen deshalb eingeläutet.

In der 13 durchschauten wir schließlich, dass der Waffelverkauf als gängige Ausrede für frühzeitiges Verlassen des Unterrichts oder ständiges Zuspätkommen sehr gut geeignet war.

Rieke: Neben dem Waffel- und Würstchenverkauf kam eine Abivorfete als Finanzierungsgrundlage hinzu. Bei der wir trotz Saufziegen-Stereotyp schwarze Zahlen schrieben. Der Finanzierungsparty voran gestaltete sich die Komiteebildung Anfang der 13 als unerwartet große Hürde. Diese meisterten wir jedoch nach zahlreichen Abstimmungs- und Wahlversuchen - und wir wissen, wie kompliziert sich abstimmen bei uns gestaltet – sodass Finanzierungs- Abiball-, Abimotto-, Abivorfeten- und Abifeierkomitee – wenn auch verspätet- loslegen konnten. Durch die definitive Wahl des dritten und vierten Abiturfachs fokussierte sich unser Lernaufwand auf die vier Kernfächer. Kurz nach dem 10-jährigen Bestehen unseres Bildungszweiges stürzten sich drei Schülerinnen in den französischen Arbeitsalltag. In Gastfamilien in Le Mans untergebracht erlebten die Praktikantinnen die einseitigen Familienaktivitäten und die im Vergleich dazu facettenreiche Arbeit in den unterschiedlichsten Einrichtungen.

Sarah: Nach den Herbstferien schloss sich die erste Klausurphase der 13 an, die wir trotz einzelner Anspannungen gut überstehen haben, da wir langsam die Luft des Endspurts schnupperten. Besonders weil die Zielgerade nun in Sicht war, entwickelte sich bei dem Deutsch-LK von Frau Bücken-Schröder durch leider unfreiwilligen Unterrichtsausfall langsam bemerkbare Panik. Endlich Ersatz gefunden war das Chaos dann perfekt, als dann auch noch die Vertretung vorzeitig ausfiel.

In diesem Jahr wurde die besinnliche Vorweihnachtszeit durch die darin liegende zweite Klausurphase getrübt. So wurden die letzten Geschenke auch am letzten Schultag gekauft und wenigstens unter dem Weihnachtsbaum mussten wir nicht die hypergeometrische Verteilung der Weihnachtskugeln berechnen, und konnten mit unserer Familie ein lernfreies Weihnachten verbringen.

Rieke: Mit dem neuen Jahr startete für einige die von den Lehrern schon längst gepriesene Vorbereitungszeit für die finalen Klausuren – allerdings nur für einige. Es zeigte sich aber schnell, dass sich nicht alle die gut gemeinten Ratschläge der Lehrer zu Herzen nahmen, und trotzdem noch passable Resultate in den Vorabiklausuren erzielten.

In diesem Jahr wurde auch die Crash-Woche stark dezimiert, und bestand damit nur noch aus zwei Tagen, die für den ersten LK und das dritte Abiturfach vorgesehen waren.

Wenige Mitglieder der Schule kamen an diesen Tagen auch als prüde Geschäftsleute, stilfreie Assis, schrumpelige Großeltern, wahre Helden der Kindheit oder hawaiianische Badenixen zum Unterricht. Diese ereignisreiche Woche schloss mit dem letzten Schultag ab. So besonders der erste Schultag ist, wollten wir auch den letzten nicht sang- und klanglos verstreichen lassen. Bettlakengroße Logos, ein gemeinsames Frühstück mit einer Saftauswahl wie im exklusivsten Getränkemarkt, diverse Käse- und Wurstsorten, die an eine Supermarkttheke erinnerten, und das gesamte Lehrerkollegium waren genau die richtige Einstimmung für den anschließenden Autokorso durch Siegburg – der es sogar mit Bild in die Lokalzeitung schaffte.

Sarah: Daniel, Patrick, Gustav und Henry – damit hättet ihr es bei Heidi sicher in die nächste Runde geschafft!!

Solche und viele andere Ereignisse machten die drei Jahre auf dem Wirtschaftsgymnasium unvergesslich. Auch wenn wir anfangs aus unterschiedlichsten Zubringerschulen zusammengewürfelt wurden – dem großen unbekannten BWL gegenüber traten – legten wir schnell unsere anfänglichen Hemmungen ab und entwickelten uns zu einem lustigen Haufen. Die Wirtschaftskrise war und ist das lebendige Beispiel für die von uns erlernten volkswirtschaftlichen Theorien. Aber auch durch andere Fächer konnten wir uns in Schul- und Alltagsdiskussionen immer mehr an den Debatten beteiligen, und unsere Lehrer und Familien mit Argumenten beeindrucken.

Aufgrund dieses Wissenszuwaches bereuten die wenigsten von uns die Entscheidung für das Wirtschaftsgymnasium. Das Klassensystem, die geringen Schüleranzahlen pro Kurs, die angenehme Diskussionskultur und das gute Schüler und Lehrerverhältnis haben unseren Bildungsgang besonders ausgezeichnet.

Rieke: So können Sarah und ich heute sagen, dass wir uns wieder für das Wirtschaftsgymnasium entscheiden würden und im Studium sicherlich von den gewonnen Fähigkeiten profitieren werden. Die drei Jahre an dieser Schule haben maßgeblich dazu beigetragen, dass wir uns beide für ein wirtschaftlich orientiertes Studium entschieden haben.

Auch wenn dies nicht bei allen der Fall ist, hat sich durch diese Jahre bestimmt jeder positiv weiterentwickelt.

Wir können alle stolz sein, dass wir heute hier gemeinsam versammelt sind, um den höchstmöglichen schulischen Bildungsabschluss zu erhalten.

Dadurch eröffnen sich für uns neue Perspektiven und Chancen, die jeder auf seine eigene Art nutzen wird. Der eine geht ins Ausland, der andere bleibt seiner Heimat treu und macht eine Ausbildung bei einem ansässigen Betrieb. Wiederum ein anderer packt die Koffer für ein duales Studium, das ihn nur monatsweise von zuhause trennen wird, und der nächste tapeziert seine neue Wohnung in Universitätsnähe.

Einige Jungs werden sich demnächst mit olivfarbener Tracht durchs Gebüsch schlagen und andere Essen auf Rädern ausfahren oder nun ihre eigenen Schützlinge betreuen.

Wir wünschen euch, egal welchen dieser Wege ihr einschlagen werdet, alles Gute und dass ihr euch selbst bei dieser Wegstrecke nicht aus den Augen verliert.

Sarah: Nun kommen wir zu einer Reihe von Danksagungen, die für solch eine Rede typisch, aber uns auch ein persönliches Anliegen sind.

An dieser Stelle gilt der erste Dank unseren Alphatieren: Frau Christgen, Frau Früh-Gläsel, Herrn Baumann und Herrn Dörr, die uns nicht nur fachbezogen jederzeit unterstützten.

Rieke: Ein weiterer Dank gebührt der Bildungsgangleitung: Frau Flöttmann-Lapuhs, Herr Müller und Herrn Dörr, die uns mit Gesetzestexten bei Wahl- und Klausurfragen fütterten, uns mit ihrer Beratung unterstützten und den reibungslosen Ablauf des Abiturs ermöglichten. Besonders danken wir Ihnen, Frau Flöttmann-Lapuhs, für Ihre Schülernähe und Diskussionsbereitschaft. Gerade Sie haben einige wichtige Sitzungen einberufen, die essenziell für die Planung des Abiturs waren.

Sarah: Ihnen, Herrn Frenzel, möchten wir auch danken. Ohne die Bereitstellung Ihres Kreidevorrates wären viele übersichtliche Übersichten nie auf Schiefer zustande gekommen.

Darüber hinaus haben Sie den Waffelverkauf nicht nur mit allen möglichen Werkzeugen, sondern auch mit Witzen versorgt. Sie waren sogar bereit, unseren Lerneifer durch Öffnen und Schließen der Schultüren an Samstagen zu stillen.

Rieke: Jetzt rufen wir die 13 an und danken den Damen aus dem Sekretariat, die nicht nur Parksünder zurechtwiesen, sondern auch jederzeit gerne unsere Schulbescheinigungen ausstellten.

Sarah: Nun genug des Dankes! Also sind jetzt 36 Monate, 144 Wochen und über 1000 Tage verstrichen, an die wir uns sicherlich noch länger als drei Jahre erinnern werden.

Aber bevor dieser neue Lebensabschnitt beginnt, wollen wir noch einmal gemeinsam feiern.

Wir freuen uns auf den heutigen Abend!

 TSCHÜSS, KOMM ABI WIR GEHEN!!!

(Sarah Münchrath und Rieke van Geldern)

 

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