Täglich werden wir mit neuen Zahlen zum Corona-Virus konfrontiert. Weltweit informieren sich Menschen über Ansteckungsrisiken, um sich bestmöglich gegen die Übertragung des Virus zu wappnen. Dass in China aktuell etwas mehr als 800 Menschen an den Folgen der Erkrankung verstorben sind, wird derzeit in allen namhaften Medien vermeldet. Dass gleichzeit weltweit jede Minute ein Kind an AIDS stirbt, ist dagegen nur Wenigen bekannt. Und auch darüber hinaus wird immer noch viel zu wenig über das HI-Virus und die daraus resultierende AIDS-Erkrankung informiert. So gibt es nach wie vor viele Vorurteile die Krankheit betreffend, kursieren Halbwissen oder schlichtweg falsche Informationen.

Um dem entgegen zu wirken und bereits Heranwachsende für das Thema zu sensibilisieren, fand in der vergangenen Woche am Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg zum bereits dritten Mal eine Veranstaltungsreihe zur HIV-Prävention in Kooperation mit der Michael Stich Stiftung statt. Bestandteil des Programms, das die Stiftung ausgearbeitet hat und kostenfrei an Schulen durchführt, ist ein adressatengerecht aufgearbeiteter, interaktiver Informationsvortrag zum Thema sowie ein Ein-Mann-Theaterstück.

Professor Rainer Ganschow von der Uni-Klinik Bonn, der seit einigen Jahren ehrenamtlich mit der Stiftung zusammenarbeitet, verstand es, den Schülerinnen und Schülern in seinem Vortrag zahlreiche wichtige Fakten über die AIDS-Erkrankung, Übertragungswege des HI-Virus, soziale Folgen für Betroffene oder die weltweite Situation gut verständlich nahezubringen. Nach wie vor gäbe es eine sehr hohe Dunkelziffer bei der Anzahl der Betroffenen, nicht zuletzt aufgrund der Tabuisierung der Erkrankung in der Gesellschaft.

Vor allem mit den sozialen Folgen einer HIV-Infizierung für Betroffene beschäftigte sich das ein-Mann-Stück „I will survive. Ein Bericht von Martin Rehbein“ von Raoul Biltgen, das vor den Schülerinnen und Schülern als zweiter Bestandteil des HIV-Präventions-Programms aufgeführt wurde. In dem etwa 70-minütigen Theaterstück stellte Schauspieler Michael Wanker eindrücklich die verschiedenen Phasen dar, die ein Mensch durchlaufen kann, wenn er mit der Diagnose HIV positiv konfrontiert wird.

Gerade die Darstellung der Gefühlswelt eines HIV-Infizierten berührte die Schülerinnen und Schüler sehr. Zusammen mit dem Protagonisten durchlebten sie Gefühle wie Schock, Wut, Trauer, Verzweiflung, Hoffnung und Liebe und betonten in den Nachbesprechungen zum Stück, dass sie sich nun viel besser in Betroffene hineinversetzen könnten. Dass die Gefahr einer Ansteckung auch für sie selbst real sei, haben viele der Jugendlichen nun verstanden. Damit wurde eines der Hauptziele der HIV-Präventionsveranstaltung erreicht, nämlich junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren und erkennen zu lassen, dass HIV und AIDS uns alle angeht.

Daten / Fakten aus dem Vortrag:

  • Jedes Jahr infizieren sich allein in Deutschland über 3.500 Menschen neu mit dem HI-Virus, die Dunkelziffer ist etwa dreimal so hoch. 
  • Auch international steigen die Zahlen der jährlichen Neuansteckungen
  • Etwa 37 Millionen Menschen weltweit sind nach offiziellen Angaben mit dem HI-Virus infiziert (Dunkelziffer weitaus höher).
  • Lediglich 16 Millionen der Infizierten haben Zugang zu den teuren Medikamenten, die den Ausbruch der Krankheit AIDS verhindern können
  • Jede Minute stirbt ein Kind an AIDS
 


Fotos: 
1 – Prof. Ganschow im Vortrag
2 – Michael Wanker im Ein-Mann-Theaterstück „I will survive“