Crash-Kurs NRW 2026: „Unfälle passieren nicht – sie werden verursacht“

Am Mittwoch vor Karneval füllte sich die Aula gleich zweimal bis auf den letzten Platz: zunächst mit den Schülerinnen und Schülern der Höheren Handelsschule, anschließend mit denen der Handelsschule. Anlass war der Crash-Kurs NRW 2026, ein Präventionsprojekt der Polizei NRW, das junge Menschen mit den realen Folgen riskanten Verhaltens im Straßenverkehr konfrontiert. 

Die inhaltlichen Botschaften sind vermeintlich vertraut: nicht zu schnell fahren, sich nicht ablenken lassen, kein Alkohol, keine Drogen am Steuer. Regeln, die jede Fahrschülerin und jeder Fahrschüler im Theorieunterricht lernt. Warum also ein aufwendig gestalteter Crash-Kurs? 

Weil es nicht um reines Faktenwissen geht, sondern um emotionales Lernen. Um Prävention durch Konfrontation. Und um die Erkenntnis, dass Verkehrsunfälle keine schicksalhaften Ereignisse sind, sondern das Resultat konkreter Entscheidungen. 

Vier junge Leben ausgelöscht 

Zum Auftakt wurde ein Beitrag der Sendung „WDR aktuell“ aus dem August 2025 gezeigt. Thema war ein schwerer Verkehrsunfall in Kürten, bei dem vier Jugendliche ums Leben kamen. Ein riskantes Überholmanöver in einer Kurve, Kontrollverlust, Aufprall gegen einen Baum – innerhalb weniger Sekunden waren vier Leben beendet. 

Spätestens hier wurde deutlich: Diese Veranstaltung beschönigt nichts. Sie zeigt die brutale Realität. 

Wenn ein Moment Unachtsamkeit alles verändert 

Ein Feuerwehrmann berichtete von einem Einsatz auf der Bundesstraße 507 zwischen Lohmar und Polhausen. Eine Frau stirbt, weil der Fahrer des entgegenkommenden Wagens während der Fahrt im Beifahrerraum kramt, dabei das Lenkrad leicht nach links zieht – und die Kontrolle verliert. 

Eine scheinbar harmlose Landstraße. Ein minimaler Lenkimpuls. Und doch endet ein Leben. Zurück bleiben Einsatzkräfte, die das Geschehen verarbeiten müssen, Angehörige, die mit dem Verlust leben müssen – und ein weiteres stilles Kreuz am Straßenrand. 

Ein junger Polizist schilderte seinen ersten schweren Einsatz nach Abschluss der Ausbildung. Eine Frau wollte abends in Niederpleis mit ihrem Hund die Straße überqueren. Ein Auto erfasste sie. Trotz Reanimation starb sie wenig später im Schockraum eines Krankenhauses in Siegburg. 

Ein Angehöriger, selbst motorradbegeisterter Polizist, erzählte von dem Motorradunfall seines Bruders. Ein Überholmanöver – und nur knapp überlebte er mit schwersten Kopfverletzungen. 

Die Perspektive des Verursachers 

Besonders eindrucksvoll war der Bericht eines Mannes, der selbst einen schweren Unfall verursacht hatte. Nach einem riskanten Überholmanöver lag er zweieinhalb Monate im Koma. Als er erwachte, begann für ihn ein langer Weg der körperlichen und seelischen Rehabilitation. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. 

Doch die schwerste Last ist für ihn nicht Verurteilung oder eigene Verletzung. Durch seinen damaligen Leichtsinn kam ein Kind ums Leben. Diese Tatsache begleitet ihn bis heute. 

Sein Bericht machte deutlich: Wer einen Unfall verursacht, verliert nicht nur möglicherweise die eigene Gesundheit oder Freiheit. Er muss mit den Folgen leben – ein Leben lang. 

Kreuze am Straßenrand – und was sie bedeuten 

Untermalt von dem Lied „Geboren, um zu leben“ der Band Unheilig wurden zahlreiche Kreuze im Rhein-Sieg-Kreis gezeigt. Sie erinnern an tödliche Verkehrsunfälle. Viele der Verstorbenen waren jünger als 30 Jahre. 

Zu jedem dieser Kreuze wusste der Polizeibestatter eine Geschichte. Er zeigte den Jugendlichen einen Leichensack und formulierte einen Satz, der im Raum nachhallte: 

„Wenn wir kommen, war der Tod schon da.“ 

Spätestens hier wurde klar: Die Folgen eines Unfalls betreffen weit mehr als den Fahrer oder die Fahrerin am Steuer. Betroffen sind Familien, Freundeskreise, Partnerinnen und Partner, Rettungskräfte sowie unbeteiligte Verkehrsteilnehmende. 

Und nicht zuletzt die Polizistinnen und Polizisten, deren schwerste Aufgabe es ist, Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen. 

Entscheidungen statt Zufälle 

Die zentrale Botschaft des Tages lautete: 

Unfälle passieren nicht. Unfälle werden verursacht. 

Es sind Entscheidungen, die zu Tragödien führen: 

  • „Ich schaue nur kurz aufs Handy.“ 
  • „Ich habe etwas getrunken, aber die fünf Kilometer schaffe ich.“ 
  • „Ich kann noch fahren, ein Taxi ist zu teuer.“ 
  • „Das Überholen klappt noch.“ 
  • „Ich kenne die Strecke.“ 
  • „Mir passiert schon nichts.“ 

Der Crash-Kurs setzt genau an diesem Punkt an. Er zeigt, dass hinter jedem Unfall eine vermeidbare Entscheidung steht. Prävention bedeutet hier, junge Menschen mit den realen Konsequenzen zu konfrontieren – mit echten Fällen, echten Beteiligten und echten Verlusten. 

Eine Botschaft, die bleibt 

Der Crash-Kurs NRW 2026 war keine gewöhnliche Schulveranstaltung. Er war eindringlich, schonungslos und nachhaltig. Viele Schülerinnen und Schüler verließen die Aula sichtlich bewegt – und vielleicht mit einem veränderten Blick auf ihr eigenes Verhalten im Straßenverkehr. 

Die abschließende Botschaft war ebenso schlicht wie eindringlich: 

Lieber sicher. Lieber leben.